Monkey Temple

Auch heute morgen werden wir beim Aufwachen bereits erwartet..Als wir das Wohnzimmer betreten, sitzt dort schon Krishna, der in Kathmandu lebende Koordinator von „Brepal“, auf dem Sofa. Brepal (www.brepal.de)  ist ein deutscher Verein, unter dessen Leitung in einer medizinisch unterversorgten Region in der Provinz Gulmi ein Medical Center errichtet wurde, in dem wir ab September arbeiten werden. Eigentlich wollte Krishna uns heute morgen anrufen um eine Uhrzeit und einen Treffpunkt zu vereinbaren, aber seine Tochter hatte mit seinem Handy gespielt und unsere Nummer gelöscht, sodass er nun persönlich erschienen ist, um mit uns den Transport nach Banjhakateri, dem Dorf in dem wir arbeiten werden, zu besprechen und uns ein Handy mit allen wichtigen Nummern auszuhändigen. Wer Banjhakateri bei Google Maps aufrufen zmöchte wird übrigens vergebens suchen, lediglich die Provinz Gulmi, in der das Dorf liegt, ist dort verzeichnet. Glücklicherweise sind es noch einige Wochen bis zu unserer geplanten Anreise, denn die Straße zum Dorf ist derzeit aufgrund der heftigen Regenfälle und Erdrutsche nicht passierbar.

Seit gestern sind wir übrigens auch stolze Besitzer einer nepalesischen Sim Card, mit der man überraschen günstig nach Deutschland telefonieren kann, was sich als äußerst hilfreich erweist, falls einem die Bank zum wiederholten Male aufgrund verdächtiger Aktivitäten an Bankautomaten in Entwicklungsländern die Karte sperrt. Die Welt spricht VISA aber VISA offensichtlich nicht Nepalesisch.
Um die Mittagszeit brechen wir auf Richtung Swayambhunath (von Touristen auch Monkey Temple genannt), nur um von den ersten Regentropfen wieder zurück ins Haus gescheucht zu werden, wo wir erst einmal abwarten, ob es bei den paar Tropfen bleibt oder sich der Monsun noch in voller Pracht entfaltet. Die Wolke zieht weiter Richtung Westen und wir folgen. Ein Minibus bringt uns entlang der Ring Road, die Kathmandu umschließt, zum von 3 riesigen goldenen Buddhas bewachten Eingang des buddhistischen Heiligtums Swayambhunath, welches seinen Spitznamen aufgrund einer dort lebenden, spielenden, Kekse futternden und munter miteinander kopulierenden Affenhorde erhielt. Diese sind weitaus weniger aufdringlich als ihre Verwandten im Monkey Forest auf Bali und scheinen noch nicht gelernt zu haben, wie viel Spaß es machen kann, ahnungslosen Touristen Kameras oder Sonnenbrillen zu klauen. Allerdings schaffen auch sie es, durch ihre bloße Anwesenheit eine koreanische Touristin derart in Panik zu versetzen, dass diese samt ihrer Mutter, die als menschlicher Schutzschild herhalten muss, strampelnd und kreischend im Dickicht neben den zur Stupa hochführenden Treppen landet.  Schwitzen kämpfen wir uns zur Spitze des Hügels hoch. In den Baumwipfeln über uns flattert ein farbenfroher Meer kleiner Gebetsfahnen.

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Auf dem Weg nach Swayambhunath ( Monkey Temple)

Oben angekommen bietet sich ein ähnlicher Anblick wie beim Besuch der Bodnath Stupa, allerdings geht es hier ein wenig geschäftiger zu. Klangschalen und Gebetsketten werden feilgeboten, Fotos in diversen Model-Posen vor Steinskulpturen geschossen, Butterlampen entzündet und bittende Kinderhände strecken sich einem entgegen. Weiterhin zu beobachten: vereinzelte dramatische Fluchtaktionen verängstigter Touristinnen um sich vor unbedarft daherschlendernden Affen zu retten.

Swayambhunath
Swayambhunath

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Die steile Steintreppe führt uns vom grünen Hügel wieder hinunter ins Straßenlabyrinth Kathmandus, in dem sich unser Navi überraschend zielsicher zurecht findet. Das nächste Ziel ist Thamel, der touristische Backpackerdistrict der Stadt, wo wir nun längst nicht mehr die einzigen Touristen sind. Treckingshop reiht sich an Souvenierstand, bunte Leuchtreklamen trotzen den regelmäßigen Powercuts, diverse Bookstores verkaufen alte Reiseliteratur unserer Vorgänger oder neue Bücher über Nepal, den Mount Everest oder das Kama Sutra. Aus den Cafés und Snackbars schallen Reggaeversionen moderner Popsongs.

Thamel
Thamel

Nachdem wir uns beim Einkaufen heute schweren Herzens aber mit den Gedanken beim Gewicht unseres Rucksacks, der uns noch einige Wochen schwer auf dem Rücken liegen wird, auf Yakmilch- und Himalayasalzseife beschränkt haben, verlassen wir Thamel in Richtung einer der größeren Straßen in der Umgebung, um ein Taxi nach Hause zu nehmen. Wir kommen jedoch nicht weit, da die Rickshawfahrer Thamels ein gutes Geschäft wittern und uns ihre Dienste anbieten. Trotz unserer Versicherungen, unser Heimweg sei ganz sicher viel zu weit um diesen mit einer Rickshaw zurücklegen zu können und dass wir daher auf der Suche nach einem Taxi seien, besteht einer von ihnen darauf, uns bis nach Old Baneshwor zu fahren und wir willigen ein. Als wir die dunkle Straße entlangzuckeln und im Aufleuchten der Scheinwerfer der vorbeifahrenden Autos sehen, wie unserem armen Fahrer mit uns als Übergepäck der Schweiß ausbricht, plagt uns doch ein wenig das schlechte Gewissen, aber an vielen Stellen geht es glücklicherweise bergab und wir klappern munter die Straße hinunter. Eine zur Hupe umfunktionierte Plastikflasche am Lenker der wackligen Konstruktion warnt die anderen Verkehrsteilnehmer vor unserer Ankunft. Kurz vor dem Ziel, am Fuße eines doch etwas zu steilen Hügels beugt sich unser enthusiastischer Rickshawfahrer nun doch den Gesetzten der Physik und sieht ein, dass er und sein 1-Gang-Fahrrad dieser Herausforderung nicht gewachsen sind und wir gehen das letzte Stück zu Fuß um zuhause den Abend mit einer Portion Dhal Bhat und Gesprächen über die nepalesische Politik ausklingen zu lassen.

1 Kommentar

  1. Klingt spannend.

    Affen kennen wir ja auch von Station :,D

    Der arme Fahrrad mann muss den dicken Übergewichtigen Marcel transportieren 😛

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