Staub in Kathmandu – Nepalesische Verabredungen – Abendessen mit Deutschen

Unsere letzten Tage in Kathmandu sind nun angebrochen. Ab Montag geht es in zwei Etappen nach Gulmi.
Nach dem Monat in Banepa fällt uns der Unterschied zu Kathmandu noch viel viel mehr auf.

Während ich hier schreibe sitzen wir in einem Café namens „The Bakery„. Tatsächlich ist das hier eine Oase. Man sitzt in einem Innenhof, draußen vor der Tür liegt der Umschlagbusbahnhof von New Baneshwor. Es ist laut und dreckig dort. Das Hupen der Autos, bzw. eher das Dauerhupen dringt bis zu uns durch. Der Matsch und Schlamm und die unglaublich verschmutzte Luft bleibt aber – gefühlt zumindest – draußen vor der Tür. Dieses Café ist etwas besonderes, da es von Gehörlosen betrieben wird. Es gibt solche Cafés ungefähr fünf mal in Kathmandu. Wie gestern schon berichtet, gibt es hier – allerdings war es auch nicht anders zu erwarten – keine soziale Absicherung, schon gar nicht für Menschen mit Einschränkungen. Deshalb ist dies natürlich eine wunderbare Idee.
Viele Nepalesen, die wir bisher getroffen haben, berichten uns ebenfalls, dass ihnen die Hauptstadt Nepals so gar nicht gefällt – zu dreckig, zu voll, zu laut. Das ist der Tenor. Man muss damit rechnen ab morgen 5-6 Uhr von Bauarbeiten, Hupen oder einfach nur den Straßenhändlern geweckt zu werden. Diese fahren oder laufen mit ihren Wägelchen durch die Straßen und preisen ihre Produkte an. Ähnlich wie der Eiermann in Deutschland mit Marktschreier-Stimmbändern. Allerdings kann jeder deutsche Marktschreier hier noch mal in die Lehre gehen um dann später jeden anderen auf dem Markt zu übertönen. Parks oder dergleichen gibt es hier kaum. Viel spielt sich in den kleinen Geschäften am Straßenrand ab. Einmal waren wir – auch wieder direkt an der Hauptstraße aber getrennt durch eine Mauer – im Garden of Dreams. Auch hier, eine kleine Oase. Doch dieser Oasen, dieser Rückzugsorte mangelt es Kathmandu doch deutlich. Auf der Straße wird man an- und weggehupt, manövriert sich um Straßenhändler, Hunde und deren Exkremente, brennendem oder verbrannten Müll herum. Dies ändert sich etwas in Thamel – dem Touristenbezirk Kathmandus. Hier fahren weniger Autos, dafür wird einem auf der Straße noch mehr Schnick-Schnack angeboten.
In den kleineren Städten ist es natürlich auch noch staubig und schmutzig. Doch der Verkehr und der Staub lassen schon deutlich nach. Ein typisches Utensil des nepalesischen Straßenhändlers ist ein an eine Peitsche erinnernder Stock, der ständig dazu benutzt wird, die Ware abzustauben.

Gestern trafen wir uns mit zwei jungen nepalesischen Mädchen. Beide waren in eine Säureattacke im letzten Jahr verwickelt. Eines wurde „nur“ relativ leicht getroffen, das andere ist im ganzen Gesicht einstellt, kann die Augen nicht mehr schließen und braucht Schläuche in Nase und Ohr um Atmen zu können und einen offenen Hörkanal zu haben. Die Hintergrundgeschichte dreht sich natürlich um abgelehnte Liebe und Kastendifferenz. Birat bat uns darum, mit den Mädchen Kontakt aufzunehmen. Sie wohnten früher im Nachbarhaus seiner Frau.
Wir haben zunächst auf das „Burn-Camp“ im nächsten April im Scheer-Memorial verwiesen und werden Fotos an unseren Freund in Deutschland weiterleiten, der in der plastischen Chirurgie viel Erfahrung mit Verbrennungsopfern sammeln konnte.
Um uns mit den Mädels zu treffen, bräuchten wir die Hilfe eines Lehrers, der für die beiden übersetzt und sich auch sonst viel um die medizinischen Belange kümmert. Die Geschichte des Treffens ist für uns „typisch Nepalesisch“, deshalb versuche ich sie kurz wieder zu geben:
Mittwoch Abend, Anruf beim Lehrer:
Ich:“Hallo, wir sind Ärzte und haben von Birat von den Mädchen erfahren. Wann können wir uns treffen?“
Er: „Super. Am besten zügig. Wie wäre es morgen gegen 15 Uhr?“
Ich: „Das passt uns. Wo wollen wir uns treffen?“
Er: „Ich gebe Unterricht bis 12 Uhr. Dann rufe ich euch an und wir machen etwas genaues aus. Ich denke in der Nähe der New Road.“
Ich: „OK. Super. Dann bis morgen um 12 Uhr.“

Donnerstag, 12 Uhr…
Donnerstag, 13 Uhr…
Donnerstag, 14 Uhr…
Donnerstag, 15 Uhr…
Donnerstag, 15.10 Uhr, Anruf des Lehrers: „Hallo, wir wollten uns doch heute treffen, wo seid ihr?“
Ich: „Zuhause. Du sagtest, du würdest nach der Arbeit anrufen um einen Treffpunkt zu vereinbaren. Egal. Wo sollen wir hinkommen?“
Er: „Ich bin auf der New Road.“
Ich: „Ja, aber wo dort?“
Er: „So ziemlich in der Mitte.“

Letztendlich schafften wir es uns im Himalayan Java Café auf dem Durbar Square zu treffen – natürlich nicht ohne vorher unsere Zutrittserlaubnis zu zeigen – nachdem ich empfahl doch lieber ein Café oder dergleichen aufzusuchen, statt uns auf der Mitte der New Road zu treffen.

Heute Abend treffen wir Bernd aus dem Scheer Memorial Krankenhaus zu einem Abschiedsessen wieder. Er fliegt am Sonntag morgen zurück nach Deutschland.

morzl
Arzt in Ausbildung zum Internisten. Auf dem Weg nach Nepal.

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