Kathmandu Tag 2

Nachdem wir gestern bei sonnigem und heißen Wetter auf Tour gingen, zeigte sich Kathmandu heute von seiner anderen Seite.
Zunächst fiel uns auf, dass es Mittags kein Wasser und keinen Strom mehr gab. Unser erster Power-Cut. Die Nepalesen scheint das aber nicht weiter zu interessieren. Zu diesem Punkt werden wir wohl auch noch kommen…
Statt zu laufen entschieden wir uns heute für ein Taxi. Das Autofahren in Kathmandu ist wirklich etwas ganz spezielles. Ob hier Europäer wirklich ein Auto fahren könnten? Ich wage es zu bezweifeln. Grundsätzlich gilt hier Linksverkehr. Spuren oder Asphalt gibt es nicht. Teilweise nutzen vier Autos und Motorräder eine Straßenbreite, die in Deutschland einer zweispurigen Straße entsprechen würde. Zudem fährt der Gegenverkehr dort auch noch, falls er abbiegen will oder einfach dort mehr Platz wähnt. Fahrräder und Fußgänger nutzen diese Straße natürlich mangels Bürgersteige auch. Und manchmal, wie gestern bereits im Bild festgehalten, auch Tiere.
Unser Ziel war der Durbar Square, welcher das ursprüngliche Stadtzentrum Kathmandus bildet. Das Erdbeben letztes Jahr zerstörte dort viele Gebäude. Unter anderem den Kasthmandap-Tempel. Dieser Tempel bestand komplett aus Holz eines einzelnen Baumes. Und er ist der Namensgeber der Stadt Kathmandu. Aufgrund eines Übersetzungsfehlers wurde aus Kasthmandap Kathmandu. Während des Erdbebens 2015 befanden sich viele Menschen im Rahmen einer Blutspendeaktion dort. Ein Photo gibt es leider nicht, aber um ehrlich zu sein, gibt es außer einem Schutthaufen dort auch noch nicht so viel zu sehen.
Die Rekonstruktionsarbeiten in dieser Region wie auch in denen, die wir gestern besucht haben, schreiten jedoch zügig voran, wenn man bedenkt, dass das Erdbeben erst ein Jahr her ist.

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Eines der vielen vom Erdbeben beschädigten Gebäude (Gaddhi Baithak, 1908 unter britischer Prägung gebaut – Nepal war nie kolonisiert gewesen – erkennt man diese z.B. an der Vorderfront dieses Gebäudes. Dort sind Balkone in Union-Jack-artiger Form zu bewundern.)
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Kuh und Tauben inmitten des Durbar Squares
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Wir im Innenhof des Kumari-Palastes. Im mittleren Fenster über uns zeigt sich unregelmäßig die Kumari – eine Gottheit. Ausgewählt wird ein Mädchen durch drei Geistliche. Geboren muss sie an Vollmond sein. Übersteht sie dann die anschließenden Prüfungen ohne Angst (Der Opfergabe von 108 männlichen Tieren beiwohnen und anschließend in einem dunklen Raum des Palastes mit den Schädeln dieser Opfertiere verbringen, usw.) so wird sie zu einer Gottheit bis zur ersten Regelblutung. Danach wird sie wieder zu einer „einfachen“ Sterblichen.

Während unseres Besuchs schlug dann auch der Monsun zu. Innerhalb weniger Minuten wandelte sich Nieselregen in massive Regengüsse mit Überschwemmungen des gesamten Platzes um. Wir fanden Unterschlupf unter einer Pagode. Nach Ca. 20 Minuten war das Spektakel vorbei.

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Unter der Pagode rechts fanden wir Unterschlupf.

Am Abend half uns Bishal (einer von Birats Brüdern) freundlicherweise. Für den Krankenhausaufenthalt benötigen wir Kittel. Er kaufte mit uns Stoffe und ließ uns von seinem Schneider vermessen. Bishal ist Designer. So werden wir an unser erstes maßgeschneidertes Kleidungsstück kommen.

morzl
Arzt in Ausbildung zum Internisten. Auf dem Weg nach Nepal.

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