Über Birat

Viele Freunde und Kollegen haben uns gefragt wie wir ausgerechnet auf Nepal kamen.
Deshalb nun ein paar Worte dazu:
“Mein Name ist Birat und ich komme von die Dach von die Welt.”


Dieses Zitat fiel am ersten Tag der Orientierungswoche auf dem Anatomiecampus während die gerade neu zusammengewürfelte “Seminargruppe 45” sich in einem Kreis und einem uns allen wohlbekannten Spiel gegenseitig vorstellen musste.
Ich erinnere mich vor allem noch an die Situation und an die Tatsache, dass anders als ich ganz naiv gedacht hatte, die meisten Studierenden in Berlin gar nicht aus Berlin kommen oder maximal 19 Jahre alt – so wie ich damals – sind. Und dieser Satz brannte sich ein. Ich bin überzeugt, dass er genau so gefallen ist. Die grammatikalischen Fehler waren vor allem menschlich und sehr angenehm in Anbetracht der Tatsache, dass zuvor Hunderten, meist hochnervösen Neustudenten ob der schwierigen Medizinprüfungen bereits am ersten Tag Angst und Bange war.
Im Laufe der Jahre sollten uns diverse Ereignisse zusammenschweißen. Einmal versuchten Conrad und ich Birat etwas “Nachhilfe” in Biochemie zu geben. Er hatte, wie die meisten Medizinstudenten in Berlin, sehr mit diesem Fach zu kämpfen. So verbrachten wir etliche Herbstnachmittage und -abende auf Birats Balkon im Wedding und versuchten uns Stoffwechselzyklen und metabolische Azidosen mit respiratorischer Teilkompensation zu verdeutlichen.
Wir sahen gemeinsam die ersten Bollywoodfilme, als diese nach Deutschland ins Fernsehen herüber schwappten. Wobei ich zugeben muss, dass ich – wie auch die meisten anderen, die sich zu diesem Ereignis eingefunden hatten – nicht das Sitzfleisch für einen gefühlt neunstündigen Film mit 90% Gesangseinlagen hatten. Spaß hatten wir trotzdem viel.
Begeistert an Birat hat mich stets seine Einstellung. Egal wie schwer das Problem war, er nahm es stets mit Gelassenheit und mit einer positiven Einstellung. Nicht bestandene Prüfungen, Schicksalsschläge, Beziehungsprobleme. All das wurde von Birat, fern von seiner Heimat, mit einer unglaublichen Ruhe und positiven Ausstrahlung getragen.
Und dann war da noch etwas anderes:
Birat wollte stets nach dem Studium zurück nach Nepal um dort den Menschen zu helfen, statt im Ausland sicher wesentlich mehr Geld zu verdienen. Dieser Entschluss stand sogar so fest, dass er, als er mit seiner damaligen Freundin Elif zusammen kam, als einzigen Kompromiss sah, die Urlaubstage in Nepal zu arbeiten (Sie hatte verständlicherweise nicht geplant nach Nepal zu gehen). Und angefacht von dieser Idee, wollte er stets Conrad und mich auch mal nach Nepal holen, vielleicht auch um dort mit ihm zu arbeiten.
Conrad konnte Nepal bereits im Rahmen einer Weltreise mit seiner Freundin Maria besuchen.
Und nun bin ich dran.
Der Rest der Geschichte ist erst mal kurz erzählt: Anfang 2014 kam ich mit Cathrin zusammen. Die ist das, was man einen Globetrotter nennt – ich war bis dahin mehr Couch potato. Und sie wollte natürlich wieder einmal ins Ausland – auch zum arbeiten. Das wollte ich tatsächlich auch immer mal machen. Nun war die Gelegenheit da. Und eine Verabredung/Idee irgendwo aus der Zeit zwischen 2004 und 2008… Also Nepal – fürs erste…

Das Erdbeben 2015
Birat reiste kurz nach dem schweren Erdbeben von 2015 nach Nepal um dort zu helfen. Er hat vieles hier bewirkt. Zwei seiner Freunde, mit denen er hier eine Schule aufgebaut hat, haben wir bereits getroffen. Aktuell ist er wieder in Deutschland weil ihm das Geld fehlte um hier weiter Neues aufzubauen. Im November will er wieder kommen Und weiter machen. Sein großer Traum bleibt es aktuell irgendwann ein Krankenhaus in einem medizinisch schlecht versorgten Gebiet Nepals aufzubauen.
Zuletzt konnte er in Deutschland erreichen, dass sein Schulprojekt finanziell unterstützt wird. So werden gesichert 40 Schülerinnen und Schüler, die sonst hier keine Chance auf Bildung hätten, eine komplette Schulausbildung erhalten (ungefähr 55% der Nepalesen sind Analphabeten).
Wer sich mehr über Birat und seine Projekte informieren möchte, kann das gerne hier tun.
Zudem kann man auch Birats Projekte finanziell über die Nepalesisch-Deutsche-Gesellschaft unterstützen. Das Geld kommt sicher in guten Händen eines Freundes an.

morzl
Arzt in Ausbildung zum Internisten. Auf dem Weg nach Nepal.

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